50 Shades of Blogging

VORURTEILE, KLISCHEES UND BLOGGERBASHING

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ls ich begann zu Bloggen habe ich mir über viele Dinge Gedanken gemacht. Würde jemand meinen Blog lesen? Könnte ich meinen Ansprüchen genügen? Wie würden meine Freunde darüber denken? Über folgendes habe ich nicht nachgedacht: Wie Blogger allgemein in der Gesellschaft wahrgenommen werden.

Die Grenze zwischen Bloggern und Influencer verschwimmt – denn jeder Blogger ist mittlerweile in der Regel genauso aktiv auf Instagram oder anderen Social Media Kanälen unterwegs. Um es zu vereinfachen spreche ich daher im folgenden von Bloggern, meine aber Influencer gleichermaßen. Denn wer Blogger und wer Influencer ist, ist ein Thema für sich.

Die Blogosphäre hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Blogger ziehen bei entsprechender Reichweite Marketingkampagnen großer Marken an Land. Manche bekommen sogar ihre eigene Produktlinie oder werden Markenbotschafter. Damit einher geht natürlich auch eine gewisse Medienpräsenz. Blogger und Influencer sind auf Werbeplakaten zu sehen, werden als Gäste in TV Shows eingeladen oder interviewt.

Shades of Blogging

Das Bild, das dabei in der Gesellschaft von Bloggern entsteht, ist nicht immer positiv – verständlicherweise. Denn das, was über Blogger gesagt wird und bekannt ist klingt in etwa so: Bloggen kann jeder. Blogger sind Narzissten, die sich permanent selbst inszenieren. Ein Duckface in die Kamera hier, ein Selfie da, ständig das Handy in der Hand und gegessen wird erst, wenn das Essen ansprechend in Szene gesetzt und fotografiert wurde. Blogger bekommen außerdem täglich dutzende Pakete mit PR Samples geschickt und prostituieren sich für jeden neuen Lippenstift, den sie in die Kamera halten dürfen. Blogger sind oberflächliche, selbstverliebte Menschen ohne gescheite Ausbildung. Nicht die hellsten Kerzen auf der Torte. Und naive 15- jährige Mädchen, die sehr beeinflussbar sind, feiern ihren Lieblingsblogger wie einen Star. Habe ich mit dieser Beschreibung übertrieben? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Diese einseitige, uninformierte Sicht auf die Bloggerwelt macht mich traurig. Denn aus meiner Sicht, sieht die Bloggerwelt so aus: Sie besteht aus unzähligen, kreativen Menschen, die ihre Leidenschaft zum Schreiben und fotografieren mit ihren Interessen verbinden. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein: angefangen bei Food, Reisen, Technik, DIY, bis hin zu Beauty, Fitness, Mode und Lifestyle. Jeder von ihnen ist anders und erzählt seine eigene Geschichte. Einige sind schüchtern, andere extrovertiert. Blogger werden nicht selten Experten auf ihrem Gebiet und in ihren Themen denn sie tauchen mit der Zeit immer tiefer in ihre Materie ein. Blogger sind Redakteure, Fotografen, Model, Web- und Grafikdesigner, Marketing und Social Media Manager und sofern sie ihren Blog monetisieren konnten, müssen sie sich gleichzeitig auch noch um Buchhaltung und Co. kümmern. Auch wenn Blogger meist keine Ausbildung für diese Tätigkeiten absolviert haben und vieles daher “semi-professionell” betreiben, so können zumindest einige Blogger doch in einigen Bereichen mit den Profis mithalten. Und sollte man jenen, die in diesen Tätigkeiten ziemlich gut sind nicht ein wenig Anerkennung dafür entgegen bringen, dass sie sich das alles über Jahre hinweg selber beigebracht haben?

Wie in jedem anderen Bereich auch, gibt es sehr talentierte und auch weniger talentierte Blogger. Anfänger und Profis. Selbstverständlich gibt es auch einige, die das Bloggen aus den falschen Gründen angefangen haben und trotzdem mehr oder weniger erfolgreich damit wurden. Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche. Muss man deshalb gleich alle Blogger in einen Sack stecken und draufhauen? Versteht mich bitte nicht falsch, es ist immer wichtig Dinge kritisch zu hinterfragen. Natürlich können wir über die Vorbildfunktion, das Umsetzen von Marketingkampagnen, Glaubwürdigkeit und weitere Punkte diskutieren. Aber ich bin gegen die Pauschalverdächtigung, Blogger seien hirnlose Narzissten, so wie sie zuletzt in einigen Interviews (z.B. FAZ und die ZEIT) dargestellt wurden.

Why I started Blogging

Wer meine ersten Blogposts gelesen hat weiß, dass ich -wie viele andere Blogger auch- furchtbar unsicher und sehr aufgeregt war, als mein Blog im August 2016 online ging. Ich hatte mich monatelang mit dem Gedanken beschäftigt einen Blog zu starten. Warum? Ich las selber gerne Blogs und fand einige unglaublich beeindruckend und inspirierend. Mir fehlte ein Hobby, seit ich 2012 mit dem Tanzsport aufgehört hatte und beim Bloggen musste ich mich nicht für eine Sache entscheiden. Ich konnte über alles schreiben was mich interessierte. Konnte gleichzeitig lernen, wie man eine Website erstellt, wie man Bilder bearbeitet, wie man fotografiert und so vieles mehr.

Was mir dabei noch nie leicht fiel, war meine eigene öffentliche Präsenz: Das “Model” auf den Bildern sein. Irgendwie im Mittelpunkt meines Blogs zu stehen. Das war und ist nicht mein Ziel und meine Motivation. Dennoch hat es mir geholfen mein Selbstbewusstsein zu verbessern und mir selbst mehr zuzutrauen. Ehrlich gesagt bin ich ziemlich sicher, dass es den meisten Bloggern so geht. Sie lieben die kreativen Möglichkeiten und die Vielseitigkeit am Bloggen, stellen sich aber eigentlich nicht unbedingt gerne in den Mittelpunkt. Es ist (je nach Thema) eine Notwendigkeit, mit der man umzugehen lernt.

Opportunities

Wer erfolgreich bloggt, dem bietet das Bloggen unzählige Möglichkeiten. Im Grunde kann sich aus einem Blog alles mögliche entwickeln: Einige entdecken ihre Leidenschaft zum Coaching. Andere schreiben ein Buch, entwickeln eigene Produkte, laufen für große Designer auf der Fashion Week, geben Webinare oder Seminare zu den Themengebieten auf denen sie Experten wurden. Alles kann, nichts muss. Aber man kann und darf sich immer wieder neu erfinden.

Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Sicht auf die gesamte Blogger und Influencer Szene etwas differenzierter wird. Das gut recherchierte Berichte und vernünftige Interviews veröffentlicht werden, damit der Beruf oder auch das Hobby eines Bloggers für Außenstehende besser verständlich wird – und in der Folge vielleicht auch zu mehr Wertschätzung und Akzeptanz führt.

Was denkt ihr über Blogger und Influencer? Habt ihr deren Darstellung in den Medien zuletzt wahrgenommen?

Folge:

10 Kommentare

  1. 3. April 2018 / 6:40 am

    Dein Look passt ja von den Farben her perfekt zum Frühling.

    Die Bilder der Influencer werden von den Medien immer unterschiedlich dargestellt. Wir haben auch unsere eigenen Bilder von jedem Blogger :-*

    viele liebe Grüße
    Melanie / http://www.goldzeitblog.de

    • 13. April 2018 / 10:27 am

      Dankeschön! <3 Da gebe ich dir völlig Recht. Manche erfüllen leider auch vollends das Klischee 😀

  2. 3. April 2018 / 10:57 am

    Liebe Verena,

    erst einmal ein Kompliment für den tollen Blogeintrag. Ich stimme dir bezüglich der differenzierten Sicht zu Bloggern vollkommen zu. Ich finde es schade, dass die meisten Menschen, wie du es sehr gut beschrieben hast, so oberflächlich über die Blogger bzw. Influencer urteilen. Dein Beitrag regt zum Nachdenken an und vermittelt eine andere Sicht auf das ganze, was mir richtig gut gefällt.

    Deine Fotos sind wirklich ein Traum.

    Liebe Grüße,
    S.

    • 13. April 2018 / 10:26 am

      Vielen Dank Liebes! Schön, dass du meine Sicht auf diese Dinge teilst! Ich hoffe sehr, dass sich diese Sichtweise zum positiven entwickelt. :*

  3. Katharina
    3. April 2018 / 5:58 pm

    Liebe Verena,

    wieder einmal ein toller Artikel. Dein Blog ist mittlerweile der einzige Mode/ Lifestyle Blog, den ich noch lese. Und warum? Weil es in meinen Augen noch ein richtiger Blog ist!
    Durch die Veränderung von Instagram ist vielen Möchtegern-Bloggern die Arbeit abgenommen worden. Mal ein Bild hoch geladen und einen passenden Titel drunter schreiben. Fertig! Dazwischen ein paar Posts mit Werbung und voila man nennt sich Blogger oder Influencer.

    Die neusten Trends vom Laufsteg in die Kamera zu halten, in untragbare Outfits zu verpacken und danach einen Post über drei, vier Zeilen zu verfassen hat für mich nichts mit Bloggen zu tun. Wenn ich untragbare Outfits sehen will schlage ich die Vouge auf. Und bei einem Blog möchte ich schon mehr lesen. Ansonsten kann ich auch bei Instagram schauen.

    Ein Blog soll für mich einen Mehrwert haben und einen richtigen Inhalt. Das zeichnet für mich einen Bligger aus. Genau das hat dein Blog. Du befasst dich mit unterschiedlichen Themen und verfasst produktive Texte, die inspirieren und Anregungen vermitteln. Du bist nah am Leser dran und man kann sich mit dir identifizieren. Du lässt dir neue Ideen einfallen und lieferst tolle Bilder, die immer anders sind. Was bringt mir zB. der 100. Reisebericht über ein fünf Sterne Luxus Resort mit Flug in der First Class, wenn sich der Leser so etwas eh nicht leisten kann und es immer wieder das gleiche türkisfarbene Wasser ist. Das ist ein paar Mal nett anzuschauen, aber langweilt nach kurzer Zeit doch sehr.

    Ich finde man merkt auch deutlich, ob jemand Zeit und Fleiß in seinen Blog oder Account steckt. Das sollte anerkannt und geschätzt und nicht mit Pseudo Bloggern verwechselt werden, die für ein paar Euro absurde Bilder von Milka, Weichspüler und Co. in die Kamera halten. Beim Bloggen geht es doch hauptsächlich auch um Authenzität. Entweder man kann sie vermitteln oder nicht. Liebe Verena, du bist da kannst vorne mit dabei.

    Sorry, für den Roman, aber das müsste einfach mal raus.

    Ganz liebe Grüße, mach weiter so
    Katha

    • 13. April 2018 / 10:25 am

      Liebe Katha,

      erstmal: WOW! DANKE! Ich habe mich wahnsinnig über deinen lieben Kommentar gefreut! Stimme dir außerdem in allen Punkten zu. Trotzdem ist es wirklich gar nicht so leicht, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber ich versuche einfach mir treu zu bleiben 🙂

      Instagram ist für mich einfach ein sehr vielseitiges Medium. Blogger können Instagram als Erweiterung für ihren Blog nutzen und andere sind dort unterwegs um sich schlichtweg in Bildern kreativ auszutoben. Ich bin z.B. ein visueller Mensch und bin immer wieder beeindruckt wie einige dort unglaublich schöne Bilder erschaffen. Mich inspiriert Instagram sehr und ich möchte es nicht missen. Wer jedoch seinen Fokus auf Instagram legt ist Instagrammer oder Influencer aber kein Blogger. Das ist nichts schlechtes, nur eben etwas anderes. Der Unterschied zwischen beidem ist vielen einfach nicht bewusst 🙂

      Ich freue mich total, dich als Leserin zu haben und hoffe, dir gefällt es hier auch weiterhin! :*

  4. styledby.s
    9. April 2018 / 4:22 pm

    Zu allererst: was für ein wunderschönes Outfit! Mir gefällt die Kombination der Farben und vor allem, dass du Sneaker trägst. Da ich eigentlich nie hohe Schuhe trage (n kann) ist das ein Outfit, dass zu 100% mir entspricht.

    Auch bei dem was du geschrieben hast, kann ich nur zustimmen: ich finde den Blick auf Blogger/ Influencer teilweise absolut falsch und denke, dass da hin und wieder auch der Neid mitschwingt. Wie bei so vielen Dinge sollte jeder erst einmal selbst versuchen damit erfolgreich zu sein bevor geurteilt wird. Dann würde man nämlich sehr schnell bemerken wie viel Zeit und Energie dahinter steckt. Beides sieht man auf Bildern und in den Stories/ Blogposts einfach nicht.

    Ich bewundere daher jeden der sich das Hobby zum Job gemacht hat. Wollen wir das nicht alle? Geld mit dem verdienen was uns Spaß macht?

    LG,
    Sabrina

    • 13. April 2018 / 10:16 am

      Danke für deinen lieben Kommentar! 🙂 Ich glaube es ist Neid, besonders von den Menschen die in ihrem Leben nichts haben, was sie derart erfüllt aber auch großes Unwissen und fehlendes Verständnis. Blogger oder Influencer sein bedeutet eben nicht, dass man jeden Tag Geschenke bekommt und so tut als hätte man ein tolles Luxusleben. Trotzdem verstehe ich, dass bei der aktuellen Berichterstattung solche Bilder entstehen. Super schade!

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